Goodell - Webster - Planetary


Letzte Aktualisierung: 19.04.2012 Funktionsvideo von der Planetary hinzu gefügt

Hier stelle ich euch nun drei meiner ältesten Spitzmaschinen genauer vor. Alle drei stammen aus den USA, ihr Entstehungsdatum liegt vor 1900! Die Firmen selbst wurden auf dem Spitzmaschinensektor mit jeweils nur diesem einem Modell bekannt, danach wurde es still um die drei Companys. Diese Maschinen sind in Europa nahezu nicht zu bekommen, während in ihrem Mutterland zahlreiche Modelle überlebt haben. Die Preise sind daher relativ moderat, um 200-300 Dollar muss man dafür jeweils anlegen. Sehr gut erhaltene Exemplare sind rar, was sich dann auch in extremen Preissprüngen wiederspiegelt. Von allen drei Modellen sind Abarten bekannt, die dann ebenfalls übermässig teuer gehandelt werden.


Perfekt Pencil Pointer - Goodell

Die Erste der drei hier vorzustellenden Urgesteine wurde am 29.04.1890 von Edwin S. Drake patentiert. Anfangs als "Perfekt Pencil Pointer" vermarkted, wurde sie ab ca. 1892 von der  Goodell & Co.  als "Goodell" angeboten. Nahezu vollständig aus Holz gefertigt, ist sie eine sehr interessante Spitzmaschine, wenn auch nur wenig effektiv. Um einen komplett abgebrochenen Stift damit wieder spitz zu bekommen sollte man wohl 10 Minuten und einen Muskelkater einplanen. Sie ist wohl eher als Minenspitzer zu verstehen. Trotzdem fand sie relativ weite Verbreitung, denn ab und zu wird sie noch auf Ebay angeboten.
Ihre Technik ist recht aufwändig, was man auf den ersten Blick garnicht vermuten mag. Der Stift wird oben eingesteckt, bis er unten wieder herraus ragt, dann wird er gegen die Feile gedrückt und der rundliche Teil wird dann hin und her bewegt. Dabei wird der Stift durch die auf der Unterseite eingelassene Zahnstange mitgedreht!
Rechts und links befinden sich im Holz zwei Löcher. Darin waren zwei filigrane Klemmen eingehangen, die eine Befestigung der Maschine ermöglichen sollten. Diese fehlen nahezu immer (so auch beim meiner Spitzmaschine). Auf der Unterseite befindet sich eine Art Bedienungsanleitung. Erstaunlicherweise wird die Goodell noch 1913 in zeitgenössischen Katalogen erwähnt, welches eine nicht gerade kurze Bauzeit bedeutet, obwohl auch hier schon die wesentlich effektiveren Modelle mit Zylinderfräser den Markt eroberten!

Als Abart ist bisher ein einzelnes Modell bekannt geworden, bei dem der komplette Unterbau aus verziertem Metall gefertigt war.
Es gibt einige prinzip-gleiche Maschinen. Etwa die "Dollar" (Pat. 1890), die "Lincoln" (Pat. 1898), die "Andrews" (Pat.um 1895). Ob diese Maschinen allerdings je gebaut, oder in grösseren Stückzahlen in den Handel kamen, lässt sich noch nicht sagen!


Steckbrief  "Goodell"
Hersteller: Perfect Pencil Pointer Co., Portland bis 1892
danach Goodell & Co., Antrim, New Hampshire
Baujahr: ab ca. 1890 - ca. 1913
Farbe: dunkles Holz
Gewicht: 360g
Grösse: L=26cm B=6cm H=7,5cm
Material: Holz, Eisenfeile
Wert: um 250 Dollar
Messer: Eisenfeile
Tipp:

Die Tischklemmen sind hier das Problem, sie fehlen fast immer. Gleiches gilt für die 4 Finger der Stifthalterung.





Webster - Graffco

Das erste Patent zu dieser Maschine stammt aus dem Jahr 1892. Ein weiteres Patent kam am 1. Mai 1900 dazu. Es gibt daher zwei verschiedene Beschriftungen auf der Rückseite! Die Modelle vor 1900 (wesentlich seltener!) haben nur den:  "PAT. June 21.92" Schriftzug, während bei den späteren Modellen der folgende Schriftzug angebracht war: "PAT. June 21. 1892  May 1. 1900" 
Weitere Beschriftungen aus aufgeworfenen, gegossenen Buchstaben finden sich auf der Vorder- und Rückseite:
VS: F.S. Webster CO. NEW YORK. BOSTON. CHICAGO.
RS: F.S. Webster CO. BOSTON  MASS. U.S.A.

Die Webster  wurde in einem Holzkasten ausgeliefert. Wahrscheinlich immer auf einem Holzbrettchen, da sie sonst nicht steht.  Der Spänebehälter ist so schwer, dass sie immer nach vorn über kippen würde. Der Behälter ist im übrigen nur mittels eines Bajonettverschlusses befestigt. Insgesamt ist die Maschine ziemlich gross und schwer, da aus massiven Gusseisen gefertigt! Um 1918 wurde die Produktion eingestellt, die Patentrechte jedoch wurden an an die Firma George B. Graff Co. abgetreten. 
Diese Company überarbeitete die Spitzmaschine leicht, nannte sie fortan "Graffco" und verkaufte sie noch bis ca. 1928. Allerdings wohl nicht mehr sehr viele, denn es gab wesentlich bessere (kompaktere) Konstruktionen. Bei der Graffco musste nun zum Späne entleeren nicht mehr der gesamt Vorbau abgenommen werden, sondern der untere Teil der "8" lässt sich seperat demontieren. Der Vorbau ist hierbei nicht mehr schwarz sondern verchromt.
Die Graffco ist daher ein sehr seltenes Exemplar. Trotzdem ist auch ihr Handelswert nur mit ca. 200 Dollar  zu beziffern.

Bisher ist von der Webster nur eine Abart bekannt, dieses Modell hatte eine -zum dreizackigen Fuss- passende Tischklemme! Über 800 Dollar wechselten dafür den Besitzer...
Von der Graffco ist auf Ebay ein leuchtend grünes Modell aufgetaucht, ob das Original so war, lässt sich nicht sagen.


Steckbrief  "Webster"
Hersteller: bis 1920 F.S. Webster Co.; Boston
ab 1920 G.B. Graff Co., Boston
Baujahr: Webster :Patent: 21.Juni 1892, gebaut ab 1898
Graffco: um 1918 bis ca. 1928
Farbe: Webster: nur in schwarz, mit Goldschrift und Linierung
Graffco: vernickelter Vorbau, grün (???)
Gewicht: Webster:1820g mit Holzsockel
Grösse: Webster: H=18cm L=16cm B=10cm o. Holzsockel
Material: Gusseisen auf Holzsockel
Wert: Standardvariante um 200 Dollar
Messer: 1 rotierender Scheibenfräser (etwas kleiner als bei der Jupiter)
Tipp:

In Europa nahezu nicht zu bekommen, in den USA noch vereinzelt. Das Nachfolgemodell ist extrem selten


Planetary
  
Funktionsvideo

Die Patentierung dieser Maschine  geht auf das Jahr 1896 zurück! Ganz genau am 17.03.1896 wurde sie in den USA und einen Tag später auch in Deutschland patentiert. Von der Mechanik her, gehört sie  zu den absoluten Sahnestücken! Zwei Fräser bewegen sich planetarisch, d.h. die beiden Fräser rotieren um den Stift und um sich selbst! Das Prinzip ähnelt damit dem der Webster, jedoch kommen hier zwei Fräser zum Einsatz. Beeindruckend!
Der Mechanismus mit dem der Stift gehalten wird ist nicht weniger interessant. Drei Backen, die mittels eines Hebels zweifach umgelenkt werden und sich dann öffnen! Leider ist der Stift dadurch fest eingespannt und muss daher immer von Hand etwas nachgeführt werden, was die Funktionalität stark einschränkt...
Ein weiteres Feature besteht darin, dass die beiden Beine ohne weiteres so umgebaut werden können, so dass man die Maschine problemlos an der Wand befestigen kann.
Die Maschine wurde in einem kleinem Holzkasten (mit Aufdruck) ausgeliefert. Die Plakette ist wie folgt beschriftet: 

PLANETARY PENCIL POINTER 
 Made by A.B.Dick Company 
<Chicago, U.S.A.> 
U.S.PAT.MAR.17.1896 
ALSO PAT`D IN 
ENGLAND.FRANCE.
GERMANY AND BELGIUM

Als Abart ist eine Ausführung bekannt, bei der beide Füsse noch mittels eines Stegs verbunden sind. Bei einem weiterem Modell waren die Füsse, die Kurbel und die Schublade verchromt. Ob das original so ausgeliefert wurde lässt sich noch nicht sagen.

Steckbrief  "Planetary"
Hersteller: A.B. Dick Company, Chicago
Baujahr: ab ca. 1896
Farbe: nur in schwarz bekannt, Messingplakette
Gewicht: 1200g
Grösse: L=17 B=11 H=13 cm
Material: Gusseisen
Wert: In dem abgebildetem sehr guten Zustand mindestens 400 - 600€
Messer: 2 rotierende Scheibenfräser (kleiner als bei der Jupiter)
Tipp:

In Europa nahezu nicht zu bekommen, bleibt www.ebay.com, allerdings Zoll, Bank und Post wollen dann auch ihren (nicht geringen) Teil!


www.Spitzmaschine.de 2012