DDR - Spitzmaschinen


Die DDR produzierte im Laufe der Zeit in verschiedenen Werken und unter verschiedenen Namen doch recht zahlreiche unterschiedliche Modelle. Alle Modelle wurden durchnummeriert, was mir heute als Sammler das Einordnen der jeweiligen Spitzmaschine wesentlich erleichtert. Dank einiger Originalbeschreibungen kann ich eine doch ganz detaillierte  History über die DDR Spitzmaschinen abliefern! Trotzdem bleiben viele Details noch im Dunkeln, gerade bei den Jahreszahlen musste ich viel schätzen.
Meine FTE-ASIS-ASW-BSM Sammlung besteht mittlerweile aus 17 verschiedenen Maschinen, wobei verschiedene Farben von mir nicht gesammelt werden. Leider habe ich keine Maschinen mit der Nummer 160. Wer kann dazu Angaben machen? Theoretisch müssten es eine BSM 160 sein.


Jiffy / FTE
Modelle 100 - 120

Nun, der Ursprung der FTE Spitzmaschinen dürfte wohl in den Jiffy-Spitzmaschinen liegen. Die Jiffy-Spitzmaschinen waren eine feste Grösse in den 20er/30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche Ausführungen und Typenbezeichnungen sind bekannt. Einige dieser Bezeichnungen finden sich auf den späteren FTE Modellen wieder. Die Jiffys wurden von Edwin Löwenthal in Berlin hergestellt. Beim Design handelt es sich meist um typische "Birnen" mit leichten Detail- / Grössenunterschieden. Erwähnt seien hier speziell die Jiffy 100 und die Jiffy 108 B die als Vorbild für die Maschinen FTE 100 und FTE 110 anzusehen sind, und nicht mehr das Birnendesign hatten. Die noch junge DDR übernahm nur zwei Modelle in die eigene Produktion. Die Jiffy 100 wurde zur FTE 100, nicht jedoch ohne eine Überarbeitung zu erfahren. Die Jiffy 108 B wurde dagegen nahezu unverändert zur FTE 110.

Angefangen hat dann die "volkseigene" Spitzmaschinenproduktion "Made in GDR" wohl Anfang 1950 mit der FTE Reihe.  FTE wurde dabei von VEB FeinTechnik Eisfeld abgeleitet. Es gab zwar schon andere Modelle am Markt, etwa die Avanti/Agra und die HEMA Modelle, diese konnten aber anscheinend den Bedarf nicht decken, so dass das Feintechnikwerk in einer Nebenhalle zur Spitzmaschinenproduktion verdonnert wurde. Diese Nebenproduktionen waren in der DDR durchaus üblich, ein Sprengmittelhersteller durfte z.B. Kinderplastikeisenbahnen bauen, während in einem Braunkohletagebau Plüschtiere zusammengenäht wurden ...


FTE / Jiffy 100

Ob diese Maschine noch bei Jiffy oder schon bei FTE gefertigt wurde lässt sich nicht sagen. Ich besitze noch ein nahezu identisches Modell, welches allerdings schon ein Vollbakelitgehäuse ohne die vordere, zusätzlich eingelassene Metallscheibe hat. Dieses Modell hat sogar einen verblassten JIFFY Schriftzug auf dem metallenem Spänebehälter.

Das hier gezeigte Modell hat vorn eine abnehmbare Chromscheibe. Einen wirklichen Sinn hat diese jedoch nicht, deshalb wurde sie wohl später auch weggelassen. Der verchromter Fräswerkverschluss und eine verchromte Blechschublade wurden wohl aus Kostengründen dann bei der FTE 100 durch Bakelit ersetzt. 

FTE 100 ??? Rückseite mit den identischen Fräswerken
Steckbrief 
Hersteller: K.A.
Baujahr: K.A.
Farbe: nur in rotbraun/Chrom bekannt
Gewicht: 230g
Grösse: B=8 H=9,5 L=9,5 cm
Material: Bakelit auf Holzpodest, Blechschublade, Chromteile, Alugriff
Wert: Sehr selten, daher um 50€
Messer: 1 Zylinderfräser (3cm)
Bemerkung:

Äusserst selten.

 

100 FTE VEB

Die erste sicher zu FTE zuzuordnende Spitzmaschine ist die sehr selten zu findende FTE 100. Sie hat noch keinen automatischen Stifteinzug und ist wesentlich kleiner als die späteren Modelle. Sie ist mit "100 FTE VEB" beschriftet, besteht aus Bakelit und einem Holzpodest. Der Fräsmechanismus ist mit einer Handschraube und zwei Nuten befestigt. Dieses Modell dürfte nicht mehr lange produziert worden sein, da es zu den FTE 110 Modellen keinen Vorteil gab. Sie wurde ersatzlos gestrichen.

FTE 100 Beschriftung
FTE 100 FTE 100 Rückseite
Steckbrief  "FTE 100"
Hersteller: Feintechnik Eisfeld /Thüringen
Baujahr: wohl um 1950
Farbe: nur in schwarz bekannt
Gewicht: 192g
Grösse: B=8 H=10 L=9,5 cm
Material: Bakelit auf Holzpodest, Alugriff
Wert: Sehr selten, daher um 40€
Messer: 1 Zylinderfräser (3cm)
Bemerkung:

Das erste Modell der FTE Reihe! Darauf achten, dass das Bakelit, insbesondere die Schublade in Ordnung ist.


Jiffy 108 B

Die hier gezeigte Jiffy 108 B diente als Baumuster für die FTE 110 Modelle, und wurde nahezu unverändert als FTE 110 produziert. Das hier gezeigte Modell ist ziemlich selten. Die genaue Bauzeit lässt sich noch nicht feststellen. Geht man von dem Zeitgeist aus, dürfte sie wohl in den späten 30er Jahren, sicher aber in den 40er Jahren auf den Markt gekommen sein.

FTE 108 B
108 B Vorderseite 108 B Rückseite
Steckbrief  "108 B"
Hersteller: Edwin Löwenthal, Berlin
Baujahr: in den 1940er Jahren
Farbe: nur in rotbraun bekannt
Gewicht: 408g
Grösse: B=10 H=13 L=12 cm
Material: Bakelit auf Holzpodest, Alugriff
Wert: Sehr selten, daher um 30€
Messer: 1 Zylinderfräser (3,9cm)
Bemerkung:

Vorgängermodell der FTE 110


VEB FTE 110 (Holzsockel)

Die FTE 110 ist wohl die erste Spitzmaschine der neuen Bauart, die in Serie gegangen ist. Die ersten Modelle kamen noch auf einem Holzpodest, das nun eine komplette Durchbohrung für die Klemme hat, daher. Der Kurbelgriff ist noch aus Holz, der Spitzmechanismus ist mittels drei Schrauben am Bakelitgehäuse befestigt.
Bei meinem Modell fehlt leider der Griff am Spänefach.

FTE 110 Vorderseite mit Holzpodest FTE 110 Rückseite
Steckbrief  "VEB FTE 110"
Hersteller: Feintechnik Eisfeld /Thüringen
Baujahr: um 1955 (???)
Farbe: schwarz und rotbraun
Gewicht: 420g
Grösse: B=10 H=13 L=12 cm
Material: Bakelit auf Holzpodest
Wert: Selten, daher um 25€
Messer: 1 Zylinderfräser (3,9cm)
Bemerkung:

 


VEB FTE 110 "Spannfutter"

Und schon wieder ein Mysterium. Hier eine weitere FTE 110 mit sehr interessantem Spannfutter, durch drehen des grossem  Bakelitrades nach links, öffnen sich die Spannbacken. Diese Version ist sehr selten, dennoch sind bereits mehrere Modelle bekannt, so das von Eigenbauten abgesehen werden kann. Was zu diesem Spannfuter geführt hat, oder warum es nur kurz verwendet wurde, ist schwer zu sagen, spekulativ würde ich davon ausgehen, dass die Produktion zu aufwendig war. Obendrein ist es anfälliger und nebenbei auch noch hässlicher...
(Bei meinem Modell fehlen die eigentlichen Spannbacken, sie sind im Laufe der Jahre zerbröselt)

Steckbrief  "VEB FTE 110"
Hersteller: Feintechnik Eisfeld /Thüringen
Baujahr: um 195?
Farbe: schwarz
Gewicht: ca 324g
Grösse: B=10 H=13 L=12,5 cm
Material: Bakelit auf Holzpodest
Wert: Selten, daher um 30€
Messer: 1 Zylinderfräser (3,9cm)
Bemerkung:

Nur sehr wenige Modelle bekannt!


VEB FTE 110 (2. Ausführung mit Bakelitsockel)

Gleiche Maschine wie oben, nur mit einem Bakelitpodest. Interessanterweise weist diese Maschine mehr Veränderungen zur Holzsockelausführung auf, als zum Nachfolgemodell 120. Ebenfalls interessant ist, dass es eine ganz spezielle Tischklemme zu diesem Modell gibt. Es ist nicht die typische Rundklemme, sondern eine eckige abgeflachte Ausführung. Ein weiterer Unterschied besteht in einer Überwurfmutter an der Minenverstellung und einem  Dreieck mit einer integrierten 1 und der Zahlenfolge 38/272/1101 auf der Kurbel. Dieses Dreieck taucht allerdings nur vereinzelt an den Maschinen auf. Eine Beschriftung, die die Demontage des Spitzmechanismus verdeutlicht, ist nun in das Bakelit mit eingegossen (Siehe rote Kreise). Dieses Detail verschwindet am Nachfolgemodell allerdings genauso schnell wieder, wie die Verstrebungen im Spänefach.

FTE 110 mit Bakelitsockel
verschiedene Spänefaecher
Detailunterschiede zum Vorgänger die eckige Klemme
Steckbrief  "FTE 110"
Hersteller: Feintechnik Eisfeld /Thüringen
Baujahr: um 1958 (???)
Farbe: schwarz
Gewicht: 340g
Grösse: B=10 H=12,5 L=12 cm
Material: Bakelit, Holzgriff
Wert: selten, daher um 25€
Messer: 1 Zylinderfräser (3,9cm)
Bemerkung:

 


 FTE Modell 120

Dieses und die drei nachfolgenden Modelle waren neben der Asis die populärsten Spitzmaschinen in der DDR. Wobei das FTE Modell 120 am häufigsten anzutreffen ist. Die Veränderungen zum Vorgänger, der 110, sind nur minimal.  Die Griffstücke am Stifteinzug sind etwas grösser, die Schrauben sind nun versenkt und anders angeordnet. Die Klemmbacken sind abgerundet, der Bakelitfuss hat ein rundes Loch. Der Spitzmechanismus ist hier mittels Gewinde befestigt, nicht mehr verschraubt. Der Kurbelgriff besteht jetzt aus Bakelit. Der Minenlängeneinstellungsstift wurde ebenfalls etwas überarbeitet. Die Modellbezeichnung steht nun unterhalb des Kreises.
Ich hatte das seltene Glück, eine FTE 120 in einem Originalkarton samt Beschreibung zu erwischen. Aus dieser Beschreibung geht hervor, dass die FTE 120 aus dem Jahr 1962 stammt! Sie kostete damals 13,80 DM (Ja DM!)

Beschriftung
FTE 120
Box und Beschreibung
Steckbrief  "FTE 120"
Hersteller: Feintechnik Eisfeld /Thüringen
Baujahr: ab 1962
Farbe: schwarz und rotbraun
Gewicht: 404g
Grösse: B=10 H=12,5 L=12 cm
Material: Bakelit, Alugriff
Wert: um 25€
in OVP um 70€
Messer: 1 Zylinderfräser (3,9cm)
Tipp:

Es gibt diese Maschine noch recht häufig, ich würde daher immer auf ein "gesundes" Exemplar warten.


FTE Modell 120 (2. Ausführung)

Die FTE 120 wurde nun noch einmal leicht verändert. Der Bakelitfuss erhielt zusätzliche Verstrebungen, da es schnell zu Ausbrüchen bei der Befestigung mittels Tischklemme kam. Der Schubladengriff wurde hier gleich aus Bakelit mitgegossen, damit das Alu eingespart werden konnte. Dieses Model hat wieder das Dreieck mit der 1 und der Nummer 11/2103 auf der Kurbel.

FTE 120
Verschiedenen Unterböden
Steckbrief  "FTE 120"
Hersteller: Feintechnik Eisfeld /Thüringen
Baujahr: um 1965 (???) bis 1970
Farbe: schwarz  und rotbraun
Gewicht: 404g
Grösse: B=10 H=12,5 L=12 cm
Material: Bakelit
Wert: um 25€
Messer: 1 Zylinderfräser (3,9cm)
Tipp:

Situation wie beim Vorgängermodell.


Bei FTE wurde ab 1964 zeitgleich noch das "Modell 130 Asis" gebaut.
 

Weiter in der DDR History mit der Asis:

 


 

 

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