IDUNA 1/2

Letzte Aktualisierung: 13.02.2006 Text mit neuen Infos versehen.

Die Iduna geht direkt aus der "EMBE" Spitzmaschine hervor. Diese "EMBE", die bereits in den Grundzügen der Iduna ähnelte, wurde 1919 von Martin Berndt patentiert. Der Maschine selbst war anscheinend kein grosser Erfolg vergönnt, so das Martin Berndt mitsamt seinem Patent zur Idea GmbH wechselte, wo die Maschine dann zahlreiche Verbesserungen erhielt und 1922 erneut als Zusatzpatent angemeldet wurde. Dementsprechend dürfte die IDUNA 1 ab 1921/22 in den Handel gekommen sein. Ab wann genau auf die IDUNA 2 umgestellt wurde lässt sich nicht eindeutig sagen. Wahrscheinlich ist, dass es Mitte der 30er Jahre passierte.
Der gravierendste Unterschied der beiden Modelle besteht im Fräser! Anfangs wurde ein geläufiger Fräser verwendet, wie er z.Bsp. in der Jupiter zum Einsatz kam. Beim Modell 2 hingegen passt dieser nicht mehr! Im Modell 2 kam ein Scheibenfräser mit grösseren Lochdurchmesser zum Einsatz. Einen wirklichen Vorteil brachte das nicht, höchstens der Firma selbst, da die Leute zeitweise gezwungen waren Original-Iduna-Fräser zu kaufen, da Fremdlieferanten nicht extra wegen diesem einem Modell ihre Maschinen umstellen wollten. Später kamen Adapterringe auf den Markt, mit dessen Hilfe konnte der Iduna 2 Fräser wieder in allen Modellen eingesetzt werden.

Das Modell 2 muss man noch einmal unterteilen in Vorkriegs und Nachkriegsproduktion. Die Vorkriegsmodelle unterscheiden sich nur sehr minimal zum Modell 1, bei dem Nachkriegsmodellen wurde schon etwas mehr verändert. Die Maschine bekam einen Minenanschlag, eine Plastikverkleidung über den Zahnrädern (fehlt eigentlich immer!). Auch beim Lack hat sich etwas getan, dieser ist nun wesentlich dicker. Die gesamte Maschine ist auch um einiges schwerer als die Iduna 1.
Die Nachkriegs-Modelle wurden allerdings nicht mehr in Leipzig gefertigt, sondern stammen "aus verbesserter Westfertigung". Die Firma zog nach Westberlin um, sie nannte sich fortan Idea-Maschinenfabrik Hans Michaelis KG. Die Iduna 2 wurde bis Anfang der 60er Jahre vertrieben. Dann verschwindet sie aus der einschlägigen Bürokatalogen.

Eventuell wurde die Firma von der Wilhelm Dahle Ag übernommen, da extrem seltene, in weinrotem Schrumpflack lackierte Idunamodelle, mit Dahle Schriftzug aufgetaucht sind. Auch eine hammerschlag-grün-farbene sowie eine grüne Schrumpflackvariante sind bekannt geworden.
Weitere Modelle der Idea Maschinenfabrik waren in den 20er Jahren die heute relativ seltene "Simplicia" (Cutter, ähnlich der "Avanti") und in den 30er/40er/50er Jahren die bekannte "Clou".

Warnung:

Leider hat die Iduna eine Achillesferse! Bedingt durch sehr lange Standzeiten sowie schlechten Materials gehen viele Idunas fest! Durch die Zinkpest quillt das Material in der "Tonne" auf, so das sich die Spannbacken nicht mehr öffnen lassen. Vor Kauf unbedingt testen (langer Hebel muss mit sanfter Gewalt runter gedrückt werden). Sollten sich die Spannbacken nicht öffnen, lassen sie die Finger von der Maschine! Mir ist noch kein Fall bekannt geworden, das jemand die Tonne fachmännisch zerlegen konnte! Ein befreundeter Sammler hat die "Tonne" mit folgendem Tipp wieder gangbar bekommen:
Zitat: "Ich habe die Tonne 48 Std. ins Gefrierfach (!) gelegt, in der Hoffnung, dass sich das Metal etwas zusammenzieht. Dann habe ich alles extrem mit Maschinenöl behandelt. Und: Jetzt bewegen sich die Spannbacken wieder!!"

Ansonsten beherzigen sie folgende Tipps:
Benutzen sie ihre IDUNA ab und zu! 
Ölen sie mit Feinmechaniköl, andere Öle neigen im laufe der Jahre zum verharzen. Niemals Fett verwenden!


Funktionsweise:

Das zu erklären ist nicht ganz einfach!

Auf der Rückseite (im Bild ganz oben links) befindet sich ein langer Hebel mit dem ein Mechanismus bewegt wird, der  an der runden "Tonne" (auf dem Bild über dem roten Pfeil) den Boden nach rechts drückt. Dann wird dort der Bleistift eingespannt. Der Stift wird durch die gesamte "Tonne" geschoben bis er an den Zahnrädern links rausschaut. Mit dem vorderen linken Hebel wird dann der Schärfkopf, mit Gefühl, nach vorn gedrückt. Mit der anderen Hand wird dann die Kurbel bedient. Etwas Übung ist allerdings schon notwendig, damit man nicht zu derb drückt und die Mine gleich wieder abbricht.

Alle Spitzformen sind möglich, vom Stumpf bis zur Pfeilspitze:

 

Das Messingschild gibt es auch als Variante mit Text, z.B. u.a. "Schreibmine"Links ist die "Tonne" die über ein Zahnrad mit gedreht wird. Rechts davon ist das eigentlich MesserEtikett an der Seite: Alleinige Herstellerin IDEA-Maschinenfabrik Hans Michaelis Leipzig-05
Der Hebel rechts wird nach unten gedrückt - dann geht der Stift rein.Iduna mal von oben!

 

Steckbrief: IDUNA

Hersteller:IDEA Maschinenfabrik Leipzig (auch als GmbH)
später:  Idea-Maschinenfabrik Hans Michaelis KG
noch später Wilhelm Dahle Ag???
Baujahr:um 1921 bis ca. 1963 mit leichten Veränderungen
Farbe:eigentlich nur in schwarz bekannt, allerdings sind schon ganz selten weinrote und grüne Schrumpflack- und in Hammerschlaggrün Modelle aufgetaucht
Gewicht:ca. 2,2kg, spätere Modelle bis 2,8 kg (Lack dicker!)
Grösse: LxBxH27,5 x 21 x 12 cm
Material:Gusseisen
Wert:je nach Zustand 500-1000€
Messer:Iduna 1 = Scheibenfräser "Sch1" (wie "Jupiter")
Iduna 2 = Scheibenfräser "Sch3"
Tipp:Beim Kauf unbedingt darauf achten, das sich der lange Hebel runter drücken lässt (geht schwer!) und sich dadurch der Stifteinschub öffnet! Schlechtes Metall aus der Kriegszeit, quillt mit der Zeit auf und wird porös!


 

 

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